Wormser Wochenblatt, 03.12.2013

Moderne Inszenierung von Peter Schmitt begeistert bei der Premiere hunderte Kindergarten- und Grundschulkinder

"Der gestiefelte Kater" präsentiert sich auf der Wormser Volksbühne mal ganz anders

Modern kommt er daher, "Der gestiefelte Kater" der Volksbühne in der Inszenierung von Peter Schmitt – nicht nur inhaltlich.

Foto: Rudolf Uhrig

Da raucht und blitzt und kracht es ganz fürchterlich, roter Bühnennebel vermischt sich mit grauem, verschluckt die Konturen des großen Zauberers, der neben Kater und Müllersohn noch aus dem Märchen der Gebrüder Grimm in Erinnerung sind. Hinzugekommen sind eine ganze Menge neuer Charaktere, die es so im Märchen nicht gibt und die Walter Passian, Autor und Co-Regisseur, wunderbar in sein Bühnenbildkonzept integriert hat, das Dank Beamer und Co Wiese, Kornfeld und Wald auf die riesengroße Leinwand zaubert.

Gespannt wie ein Flitzebogen und mit ohrenbetäubendem Lärm warten die Kindergarten- und Grundschulkinder im Theater des "Wormser" darauf, dass es endlich losgeht. Doch als dann der Kater (Nicole Schmitt) vor dem Vorhang über die Bühne kriecht, ist es mucksmäuschenstill. Der Vorhang öffnet sich, gibt den Blick frei auf eine zinnenbewehrte Mauer mit Torbogen, davor ein Laubbaum. Und schon sind wir mittendrinn in der Geschichte des (neuen) gestiefelten Katers: Prinzessin Morgenschön (Kerstin Schindler) beklagt den Verlust von Quasimodo, ihrem Kanarienvogel, und lässt sogar die Krone des Baumes entfernen, während sich Hofnarr und Hofdame im Spiel über den stotternden König Franz-Rudolf (Michael Meierhofer) lustig machen.

Foto: Rudolf Uhrig

Der berühmte Zauberer, "der große Radetzky" wird zum Rebhuhnfest im Reich des Königs erwartet. Leider ist in diesem Jahr auch ein Trauerfall zu beklagen: Der alte Müller ist verstorben und der jüngste seiner drei Söhne – Martin – erbt von dem beträchtlichen Vermögen nur den Kater. Doch dieser kann weitaus mehr, als nur Miauen und Mäuse fangen: Mit einer List hat er die Rebhühner gefangen, die er am Königshof abliefert und dafür fürstlich entlohnt wird.

Und dort geht es zu, wie im richtigen Königsleben: Da gibt es den ellenlangen Ludwig, Diener bei Hofe (Volker Barmann), der es gerne mit Mimmi, der Magd (Cornelia Weber) zu tun hat und eine veritable Hofdame – natürlich eine Französin, die kein "H" aussprechen kann – , exzellent verkörpert von Eva-Maria Schmitt, oder die offizielle Hofschreiberin Madame Kneifer (Roswitha Ramb). Wenn der kugelrunde Hofnarr Rudi (Rudolf Böß) in seinen Schellenschuhen, mit gekonntem Hechtsprung sich den Sack mit den Rebhühnern sichert, johlen die kleinen Zuschauer. 

Foto: Rudolf Uhrig

Aber wie geht es eigentlich weiter? Martin, der Müllersohn (Marlon Schneider) verschont seinen Kater und ist höchst erstaunt, als der ihn plötzlich in Menschensprache um ein Paar Schuhe bittet. Rote Stiefel hat er für den Kater besorgt, der sich plötzlich aufrichtet und ab sofort "Baron von Pfötchen" heißt. Und auch Martin ist dank der Kinder, die der schlaue listige Kater unterrichtet hat, kein Müllersohn mehr, sondern der Landgraf "Martin von Martinstein." Wann immer der König mit seiner Tochter in den Ländereien, die von den Bäuerinnen Müller (Silvia Thomas), Meier (Margret Owens) und Schulze (Patricia Hauswirth) versorgt werden, fragt, wem die Wiese,das Kornfeld oder der Wald gehören, schallt es aus fast 700 Kinderkehlen: "Landgraf Martin von Martinstein!"

Dass alles gut endet dafür sorgt – wie könnte es anders sein – der schlaue Kater: Der von sich überzeugte Zauberer "Radetzky" (Elke Dyroff) kann sich sogar in einen Adler und einen Gorilla verwandeln. Als der Kater anzweifelt, ob sich der große Radetzky auch in eine edle kleine weiße Maus verwandeln könne und dies geschieht, frisst er die Maus und die Geschichte ist (fast)aus, wären da nicht noch der Müllersohn und die Prinzessin, die der König schweren Herzens ziehen lassen muss… 


Wormser Zeitung, 23.11.2013

Wormser Wochenblatt, 23.11.2013

Wormser Zeitung, 14.11.2012:

Nibelungenkurier

Wormser Zeitung "Meine Tipps" vom 23.11.2012